Über mich

Hallo, ich bin es.

Kochen und Rezepte sammeln, Garten und Radtouren sind meine Hobbys.
Und ich gebe auch zu, das ich mal bei der Küchenschlacht mitgemacht habe.

 

Außerdem gebe ich zu, das ich ein Ileostoma habe. Da gibts gleich einen längeren Bericht zu.

 

Kann man(n) als Aufmunterung sehen und als Aufforderung zu den Vorsorgeuntersuchungen zu gehen. Ist aber ein längerer Bericht, von 2005 bis jetzt (ich kann auch lächeln, aber es war gerade kein anderes Foto greifbar).

 

Jetzt will ich mal erzählen, wie ich zu meinem Ileostoma kam:
Im Sommer 2005 habe ich eine wunderbare Radtour gemacht, von Creysse an der Dordogne zur Ile de Noirmoutier. 800 km quer durchs Land.
Im letzten Drittel tauchte ein kleines Problem auf. Hin und wieder musste ich ganz schnell eine Toilette aufsuchen. Während des Radfahrens, bei einem Rundgang in einer Stadt oder auf dem Campingplatz.
Unangenehm, wirklich unangenehm. " Da hab ich was Falsches gegessen" .  Obwohl ich jeden Tag frisch gekocht habe und auch die Frühstückssachen immer frisch waren.   " Wird schon wieder, wird schon wieder" .  Die Tour war wirklich schön.
Aber irgendwann ist man ja auch zu Hause und hat mehr Zeit.   Da sieht man auch mal genauer hin, auch in die Toilettenschüssel. Blut im Stuhl. Ach, eine Hämorrhoide.
Arztbesuch stand sowieso an, also beichtest du mal.
Entspannte Seitenlage, der berühmte Finger kommt:
" Herr Thiell, sie haben da eine Hämorrhoide" . Na gut, das dachte ich mir schon.
Und dann:  " Waren sie schon mal zu einer Darm-Vorsorgeuntersuchung?"  
" Nein,  sehe ich in ihren Unterlagen" !  " Ich schreibe mal  eine Überweisung, gehen Sie da zur Sicherheit hin, holen sie sich einen Termin beim Gastroentereologen"
Na, du bist ja Rentner, hast ja Zeit,  warum auch nicht, schadet ja nicht.
Gesagt, getan. Termin geholt, Reinigungsflüssigkeit getrunken und richtig leer und sauber zu der Untersuchung.
" Möchten sie wach sein oder möchten sie während  der Untersuchung schlafen?"
" Dann müsste sie aber jemand abholen, sie dürfen dann kein Auto fahren!"  
Ich will schlafen.
Als ich dann wach werde, sagt der Arzt zu mir:  " Sie haben ein Problem, ich konnte es während der Untersuchung nicht lösen, kommen sie morgen noch mal, dann klären wir das!"
Ein Problem, also nichts Schlimmes, ein Problem hat jeder.
Der Arzt hat ein paar Fotos, mein Dickdarm von innen. Sieht ja nett aus.
Nur auf einem Foto ist was, das wie Pilze aussieht. " Herr Thiell, Sie haben Darmkrebs."   Das holt einen erst mal vom Hocker. Ich, Krebs?  ICH?
" Und außerdem haben sie eine chronische Darmentzündung, eine Colitis ulcerosa. Aber das kriegen wir wieder hin. Erst mal den Darmkrebs erledigen" .
" Sie müssen sich schnellstens operieren lassen, es wird Zeit, es ist fünf vor zwölf" .
Also keine Zeit großartig in Panik zu fallen, lieber los. Mit einer Überweisung ins Krankenhaus. Ich wohne neben einem Krankenhaus. " Ach, sie haben Darmkrebs?"   " Wer hat das festgestellt?"   " Der Dr.Sowieso?"  " Gut, dann können wir eine Kontrolluntersuchung sparen, heute ist Freitag, lassen sie mich mal telefonieren" .
2 Minuten: " Am Dienstag kommen sie um 8 Uhr  30, und melden sich auf der Station" .
Das Wochenende war nicht so nett, nicht nur weil es inzwischen November war.
Am Dienstagmorgen, frisch gewaschen und poliert,  zur Station. Das Räderwerk eines Krankenhauses fängt an.  Zimmer sowieso, Sachen einräumen, die erste Untersuchung, die zweite, die dritte, die vierte.
Am nächsten Tag etwas ruhiger. Der Oberarzt, der Anästesist, die Darmreinigung. Und am Donnerstagmorgen werde ich schon operiert. Nach der " Fast track" -Methode soll es sein. Wenn ich das richtig verstanden habe,  soll das besonders effektiv sein und schmerzfrei.
Ich werde wieder wach.  Intensivstation, jede Menge blinkende Lichter, viel Bewegung um mich. Klar, ich bin ja auch nicht allein hier.
" So Herr Thiell, sie sind ja richtig fit, jetzt machen wir mal eine Runde!"  
" Jetzt kommen sie mal aus dem Bett, vorsichtig, vorsichtig!"
Einer links, einer rechts, ein paar Beutel und Rollständer müssen mit.
" Jetzt machen wir erst mal eine Runde Intensivstation!"
" Das klappt ja gut, noch eine!"
Dann wieder ins Bett.
" Und weil es so gut war, gibt es jetzt was zu Essen!"
Tatsächlich kriege ich einen Becher Joghurt.  Super!
Am nächsten Mittag komme ich zurück auf die Station und da gibt es schon wieder was zu essen!   Kein Brötchen, aber immerhin eine Brühe, das ist ja so lecker.
Und danach aufstehen und im Stuhl sitzen, ich bin nicht krank, ich sitze vor dem Bett!
Dann kommt der Oberarzt auf ein Schwätzchen:
" Sie haben Glück gehabt, alles gut verlaufen, keine Streuungen, viel später hätten sie nicht kommen dürfen."  
Am Nachmittag:   " So, jetzt gehen wir mal auf den Flur."
Zwei Schwestern, ich, die Schmerzpumpe, 2 Beutel, eine Infusionsflasche machen sich auf den Weg.
Der Flur ist lang und ich bin etwas schwach auf den Beinen, aber es geht. Zur Belohnung darf ich ins Bett. Und am späten Nachmittag werde ich schon wieder aus dem Bett gescheucht
"Setzen sie sich nochmal auf den Stuhl."
Und so geht's weiter, jeden Tag ein wenig mehr. Am dritten Tag watschel  ich schon allein über den Flur. Man kann dieses ganze Gedöns gut an einem Rollständer festmachen, das geht schon. Außerdem merke ich auch das es mir immer besser geht, körperlich und auch im Kopf. Nur die Colitis ulcerosa stört, seitdem ich wieder esse muss ich wieder häufig das stille Örtchen aufsuchen.
Am vierten Tag gibt's schon Milchbrei zum Frühstück, Gemüsebrei  zum Mittagessen und Abends Weißbrot. Eine tolle Verpflegung hier.
Ich bin eigentlich mehr auf dem Flur und im Gemeinschaftsraum als im Bett. Mir werden einige Beutel abgezogen, die Schmerzpumpe entfernt und ich kann mich gut bewegen, auch die Narbe sieht gut aus, quer über den Bauch und nix entzündet. Ich gehe jetzt auch im Treppenhaus, vom 5. Stock in den 2.Tiefkeller und wieder hoch.
Und nach 10 Tagen werde ich entlassen, 16 Kilo leichter und etwas wackelig.
Zu Hause ist es doch am schönsten.  
Dachte ich, aber es gibt einen heftigen Schub der Colitis ulcerosa.  Die Behandlung wird schärfer, Kortison in Tablettenform. Das hilft, es wird erträglich. Aber der nächste Schub lässt nicht lange auf sich warten. Und so schaukelt sich das immer weiter nach oben.
Andere Therapien werden ausprobiert, nichts hilft, nur Kortison. Als letztes eine Probe mit Remicade. Das fängt gut an, endet aber auch wieder bei Kortison.
Jetzt waren 6 Jahre vergangen. Der Dickdarm ist auf ganzer Länge entzündet und sieht nicht gut aus.
6 Jahre kräftig Cortison macht sich bei der Knochendichte bemerkbar. Also raus mit dem Darm und Ruhe ist.
Seit einem Jahr habe ich da schon drüber nachgedacht und habe mir fast alles über Stoma und Probleme damit angeschaut. Ich bin mir sicher, das das die Lösung meines Problems ist.
Also Einweisung ins Krankenhaus. Ich bin ins Vinzenz-Krankenhaus in Paderborn gegangen, zertifiziertes Darmzentrum.
Das übliche Prozedere, Untersuchungen, Untersuchungen, Untersuchungen. Die Lage des Stomas wird festgelegt, die Besprechung mit dem Chirurgen und dem Anästhesisten, es soll ein Ileostoma mit Pouch angelegt werden, das Stoma nach einiger Zeit zurück gelegt werden und dann soll es gut sein.
Ich werde wach und bin auf der Intensivstation, viel los hier und weil es so schön ist, noch einen weiteren Tag. Macht nix, ich schlafe die meiste Zeit.
Wieder auf der Station, wieder hier ein Schlauch und da ein Katheder, hier ein Beutel, da ein Beutel, alles normal.
Bei der Visite erklärt mir der Oberarzt, das es mit dem Pouch nicht geklappt hat, mein Dünndarm war durch die Krebsoperation zu kurz geworden. Ich behalte mein Stoma also.
Nun ist es so, das der komplette Dickdarm und der Schließmuskel entfernt wurde, macht man aus Sicherheitsgründen so, Colitis ulcerosa Patienten neigen zu Darmkrebs, auch an Resten.
Es schockt mich nicht, hatte ich alles schon vorher erkundet, gibt ja Bücher und Foren.
Wenn man Colitis ulcerosa gehabt hat und häufig mit voller Hose unterwegs war, ist ein endständiges Ileostoma eine Erlösung.
Dann langsam mit dem Essen angefangen und jeden Tag ein wenig kräftiger geworden. Ich habe nur 14 Kilo verloren.
Die Narbe, diesmal längs, heilt sehr gut ab, die Katheder verschwinden, man kann wieder selbstständig sein.
Ich lerne das Stoma anzulegen, klappt prima, und nach ein paar Anfangsschwierigkeiten habe ich es im Griff.
Und so lebe ich jetzt mit einem Stummel auf der rechten Bauchseite und einem Beutel dran, ziemlich problemlos.
Es gibt ein paar Lebensmittel auf die ich verzichte, frischer Krautsalat, Stangenspargel, ungeschälte Linsen, Tomaten und Paprikahaut, sonst geht alles gut und bleibt hoffentlich auch so.
Ich darf nicht mehr schwer heben, beim Sport muss ich den Bauchbereich etwas schonen. Die Osteoporose geht zurück, 2014 habe ich den  Altersdurchschnitt wieder erreicht. Ich mache weiter meine Radtouren. Wenn ich in Frankreich bin, zelte ich wieder. Alles ist wie früher und der Stomabeutel, der mich jetzt begleitet, stört eigentlich nur ein ganz klein wenig, man(n) muss den Krams halt transportieren.

 

 

letzte Änderung

20.11.2017

Gefüllte Paprika mit Thunfisch und Basmatireis
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Gebratene Entenbrust mit Kirschen
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